Jerry Lee  -       Husky- DSH-Mix   -    geb. 3.7.1990   gestorben 21.04.2006

5 Begleithundprüfungen


Eigentlich wollte ich einen lieben, süßen Welpen, weil meine Hündin schon 13 Jahre alt war. Dummerweise durfte meine Tochter den Hund aussuchen und sie nahm natürlich prompt den frechsten aus dem Wurf. Bis zum 10. Mon. war die Erziehung, dank meiner sehr gut gehorchenden Hündin recht leicht. Doch dann starb sie und der Jungrüde hatte kein Vorbild mehr. Außerdem kam er in die Pubertät. Jetzt wollte er wissen, wo er in unserer Familie seinen Platz hatte. Immer wieder probiert er, wie weit er gehen konnte, jede Schwachstelle unsererseits wurde ausgenutzt. Es hat lange gedauert, bis wir einander verstanden haben. Denn wirklich sachkundige Hilfe fand ich damals nicht. Mit der entsprechenden Hilfe, wäre die Erziehung bestimmt schneller und einfacher gewesen.

                  

                   

Aber Gewalt, wie uns einige Trainer rieten " sie müssen zeigen, wer der Chef ist " wollten wir nicht anwenden. Ich war der Meinung, das wäre nicht der richtige Weg.
Das Jerry Lee und ich im Laufe der Jahre doch noch zu einem sehr guten Team geworden sind, lag an seinem und meinem Lernwillen. Ich habe alles, was ich über Hunde erfahren konnte, gelernt. Bin zu vielen Seminaren gefahren. Ich wollte allen beweisen, das man auch schwierige Hunde ohne unnötige Gewalt erziehen kann. Heute kann ich mich, egal in welcher Situation, auf ihn verlassen. Das habe ich besonders beim Agility immer wieder bemerkt. Trotz der dummen Sprüche mancher Trainer ( mit so einem Hund kann man keine Begleithundprüfung laufen oder Agility machen) ist er ein sehr gut zu führender Hund geworden. Auch heute, im Alter von 14 Jahren, arbeitet er immer noch furchtbar gerne mit. Und seine Mithilfe bei der Erziehung oder Umerziehung unserer anderen Hunde ist unheimlich wertvoll.
Und wenn er mal nicht in meinem Sinne reagiert, dann weiß ich heute einzuschätzen, warum. Und ohne ihn hätte ich nie so viel über Hunde gelernt.

24.08.2005

Jerry Lee ist jetzt 15 Jahre alt. So langsam machen sich die Alterswehwehchen bemerkbar. Er kann nicht mehr soviel spazieren gehen und am Fahrrad laufen sowie so nicht mehr. Deshalb habe ich letztes Jahr einen Fahrradanhänger für ihn angeschafft.    ( In dem auch Charly sehr gerne mitfährt.) Denn er möchte doch noch gerne überall mit dabei sein. Auch wenn es ihm oft schwer fällt.

Für mich ist er trotz allem immer noch der tolle Hund, der er von Anfang an war.

 

12.05.2006

Vor genau 3 Wochen ist Jerry Lee eingeschläfert worden.                                                         

Wir wussten schon lange, dass dieser Tag irgendwann kommt, aber trotzdem war es für uns alle ein Schock. Er baute seit Ostern immer mehr ab. Am Tag vor seinem Tod brach er zusammen, bekam nicht mehr richtig Luft.  Unsere Tierärztin konnte ihm zwar noch kurzfristig helfen, aber eben nur kurz. Am 21.4. hatte ich erst noch Hoffnung, weil es ihm etwas besser ging, aber abends wusste ich dann, dass jetzt eine Entscheidung für mich anstand vor der ich schon lange Angst hatte. Am Verhalten meiner anderen Tiere merkte ich auch, dass es mit Jerry Lee zu Ende ging. Und auch er zeigte, dass er nicht mehr konnte. 

Ich hatte schon seit zwei Tagen alle Termine abgesagt, weil ich bei Jerry Lee bleiben wollte.  Was auch  gut war.  Sobald ich den Raum verließ, winselte er hinter mir her. Sein ganzes Leben lang habe ich bei diesem Hund nie Panik oder auch nur Angst gesehen, aber jetzt sagte sein Blick nur, lass mich nicht alleine. Wenn ich bei ihm saß, war es wieder gut.

 Frau Dr. Kamlage kam kurz nach meinem Anruf bei ihr, zu uns nach Hause. Wofür ich ihr sehr dankbar bin. Denn so konnten nicht nur meine Tochter und ich dabei sein, sondern auch die andern Tiere.

Ich weiß, dass jetzt  viele denken, warum müssen denn die andern Tiere das mit bekommen, aber ich weiß heute das auch diese Entscheidung richtig war:  Ich hatte mich auf Jerry Lee`s Decke gesetzt und seinen Kopf auf meinem Schoß und alle meine Hunde sind noch mal zu Jerry Lee gekommen, haben noch mal an ihm geschnüffelt und dann haben sie sich irgendwo hingelegt. Mike und Sam erst nachdem sie die Tierärztin und dann mich angesehen hatten und ich ihnen gesagt habe, dass das ok ist. Lillie saß neben mir  und Ricky und Laika kamen noch mal zu mir. Lottie und Charly waren erst etwas irritiert, sind dann aber zu meiner Tochter gegangen. Auch einige meiner Katzen saßen in der Nähe. Als alles vorbei war, kam Lillie zu mir und fing an mir das Gesicht ab zulecken. Das meine Tochter und auch die anderen Tiere zu mir kamen zu trösten, habe ich erstmal gar nicht richtig wahr genommen. Ich war so fertig.

Wir haben später auch noch Manuelas Hunden, die ja auch teilweise von Jerry Lee auf gezogen worden sind, die Gelegenheit gegeben sich zu verabschieden.  Die anderen Tiere im Rudel müssen sich verabschieden können, weil sie sonst ewig suchen würden.

Ich habe Jerry Lee am nächsten Tag in Solingen auf dem Tierfriedhof begraben. Mike hatte ich mit genommen und er war für mich eine große Hilfe. Er hat sowieso seit Jerry Lee`s Tod, ganz selbstverständlich die Rolle von Jerry Lee im Rudel übernommen, so wie Jerry Lee`s es ihm bei gebracht hat.

Mir tut es immer noch weh an Jerry Lee zu denken. Er war für uns alle mehr als nur ein Hund. Er fehlt uns sehr. Jeder der sein Tier als Teampartner ansieht wird das verstehen.

Auch unsere andern Tiere trauern sehr.  Charly, Lillie und Sam waren sogar krank. Die Leute die behaupten Tiere hätten keine Gefühle haben meiner Meinung nach keine Ahnung.

 

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